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Die Geschichte der Vertreibung: Dauerausstellung in Geretsried

Montag, den 17. Februar 2014

Im Tölzer Land gehen Besucher in den neuen Ausstellungs-Räumen des Museums der Stadt auf kulturelle Spurensuche:

Kälte. Dunkelheit. Nur einzelne Löcher in den Bretterwänden. Der Durchgang, den Besucher des Geretsrieder Stadtmuseums passieren, macht das Thema der Vertreibung körperlich spürbar – und sensibilisiert.

 

Ein Aspekt, der den Verantwortlichen des neu eröffneten Museums besonders wichtig ist. „Die Geschichte der Heimatvertriebenen soll auch zukünftigen Generationen im Gedächtnis bleiben“, erklärt Anita Zwicknagl, die die Dauerausstellung konzipiert hat. Durch die Menschen aus dem Sudetenland, Donauschwaben, Schlesien und Siebenbürgen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins Tölzer Land kamen, entwickelte sich Geretsried zur größten Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das Museum ist Dienstag und Mittwoch sowie Freitag bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Dunkel gehaltene Räume in Rot und Schwarz informieren zunächst über Geretsried als Rüstungsstandort und das Schicksal tausender Zwangsarbeiter. Mit dem Ende des Krieges rücken dann die Vertriebenen in den Fokus der Ausstellung. An verschiedenen Multimedia-Stationen wird die Historie durch Filmausschnitte und Kommentare von Zeitzeugen lebendig. Ein schmaler, kalt gehaltener Durchgang erinnert an die unmenschlichen Transporte der Heimatvertriebenen. „Statt langer Texte setzen wir auf die Stimulation der Sinne, wodurch der Museumsbesuch zu einer nachhaltigen Erfahrung wird“, betont Anita Zwicknagl.

Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Zwei helle Räume zeigen Kultur und Traditionen der Vertriebenen, die heute längst zu einem festen Bestandteil in der neuen Heimat geworden sind. Wie das Urzelbrauchtum, das bunte Faschingstreiben aus Siebenbürgen, das jedes Jahr mit der Erstürmung des Rathauses und Tanzveranstaltungen gefeiert wird. Aber auch die Sudetendeutschen brachten ein Stück aus ihren Herkunftsgebieten mit. Wie einige Musikinstrumentenbauer, die sich in Geretsried ansiedelten und heute noch Blechblasinstrumente und handgefertigte Schallstücke für Trompeten, Hörner und Posaunen anfertigen. Musiker aus der ganzen Welt zählen zu ihren Kunden, von der Staatsoper Paris über berühmte Orchesterbläser aus New York bis zum Münchner Rundfunkorchester. „Die Heimatvertriebenen brachten viel Wissen und Können mit, das sie in der Nachkriegszeit in den Wiederaufbau steckten“, sagt Anita Zwicknagl, die auf Anfrage auch Führungen durch die Ausstellung anbietet.

Information: Tölzer Land Tourismus, PR Kunz & Partner
Bildnachweis: Stadt Geretsried, Helmut Reichelt


Kategorie: Allgemein