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Blizzard Ski
Bock auf Tirol

Expertentipps für Tourenski-Abenteuer

Freitag, den 29. November 2013

„Es ist die Königsdisziplin der alpinen Sportarten“, begründet Christof Simon seine Faszination fürs Skitourengehen. Für Mike Rutter von der Alpinen Auskunft in Innsbruck ist es „die einfachste Form, sich im Winter am Berg zu bewegen.“ Rutter und Simon geben Touren- und Sicherheitstipps für die nächsten Abenteuer im Schnee und erklären, warum dieser Sport in Tirol so beliebt ist.

Skitourenland Tirol
„Es gibt wohl wenige andere Länder“, erzählt Christof Simon, „die über so ein dichtes Netz von Berghütten verfügen wie Tirol. Mehrtägige Skitouren sind bei uns durch dieses Versorgungsnetz sehr gut zu machen.“ Eine weitere Besonderheit Tirols sei, dass leichte und schwere Touren oft in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, so der Mitbegründer des Onlineportals tourenwelt.at. „Außerdem kommt man mit Bergbahnen weit hinauf und kann dadurch hohe Berge mit relativ wenig Aufwand begehen“, merkt Mike Rutter von der Alpinen Auskunft an.
„Wenn der Winter gut ist – wie zum Beispiel letztes Jahr – kann man in Tirol auch mal 6 Monate lang Skitouren gehen. Das ist in anderen Ländern oft nicht möglich“, meint Christof Simon und gibt gleich den ersten Tourentipp: „Eine besondere Skitour für mich ist immer der Lüsener Fernerkogel. Für die fast 1.700 Höhenmeter braucht man schon Kondition, aber die Mühe lohnt sich.

Kurzer Aufstieg – lange Abfahrt
„Für Abfahrtsliebhaber bietet sich bei ausreichender Schneelage die Rofanspitze an“, sagt Christof Simon. Auch Mike Rutter gerät bei dieser Tour ins Schwärmen: „Du gehst ins Rofan, fährst mit der Gondel rauf, gehst rund 400 Höhenmeter auf die Rofanspitze und fährst über 1.600 Höhenmeter runter – praktisch bis zur Autobahn, genau beim Kreisverkehr in Wiesing. Und dann fährst Du einfach mit dem Bus wieder rauf. Das bleibt in Erinnerung, vor allem weil‘s wegen der Schneeverhältnisse nicht immer möglich ist.“Auch der zweithöchste Berg Österreichs, die Wildspitze (3.768 Meter), bietet nach einem relativ kurzen Aufstieg viele Abfahrtsmeter. Christof Simon erklärt, weshalb: „Verwendet man die Liftanlagen des Pitztaler Gletschers, kann man in einer Höhe von 3.100 Metern starten. Bei guten Verhältnissen steht man nach nur 3 Stunden am Gipfel. Die Aussicht von dort oben sucht ihresgleichen.“ Erfahrung im hochalpinen Gelände ist allerdings Voraussetzung für Skitouren wie diese. Mike Rutter warnt: „Wenn Du am Gletscher gehst, hast Du zusätzliche alpine Gefahren, wie beispielsweise Gletscherspalten.

Mehrtages-Skitouren  mit Abenteuerfaktor
Eine abenteuerliche Rundtour hat Christof Simon im Winter 2012/2013 mit Freunden unternommen.  Mit der Gondelbahn fuhren sie auf die Dresdner Hütte und stiegen über das Beiljoch, die Fernerstube sowie das Pfaffennieder auf die Müller Hütte auf. „Dort übernachteten wir,“ sagt Simon. „Vorher mussten wir allerdings 2 Stunden lang die Tür des Winterraumes freischaufeln, die 2 Meter dick mit Schnee bedeckt war.“ Am nächsten Tag ging es dann auf den Botzer (Südtirol), den Wilden Freiger und die Nürnbergerhütte zurück ins Stubaital.Ebenso fordernd ist die Mehrtages-Skitour „Hoch Tirol“ in Osttirol. „Dort ist man 5 bis 6 Tage unterwegs“, sagt Mike Rutter, „da macht man schon viele Höhenmeter – und das ist anstrengend.“ Diese Tour führt auch auf den Großglockner, den höchsten Berg Österreichs. „Der ist im Frühjahr mit Skiern etwas Besonderes. Auch wenn es in der Glocknerscharte oft zu Staus kommen kann“, bemerkt Christof Simon, „sind im Winter nicht so viele Bergsteiger unterwegs wie im Sommer. Außerdem ist das Essen auf der Stüdlhütte unglaublich, Vier-Gänge-Menü auf Sterneniveau, so gut hab‘ ich auf noch keiner Berghütte gegessen.

Gemütliche Stützpunkte
Eines von Mike Rutters persönlichen Lieblings-Skitourengebieten ist die Wattener Lizum. „Da gibt’s brutal lässige Skitouren und mit der Lizumer Hütte hat man dort einen guten Stützpunkt“, sagt er. Viele der umliegenden Gipfel sind mit Aufstiegen um die 1.000 Höhenmeter sehr gut erreichbar, wie zum Beispiel der Geier, die Krovenzspitze, der Mölser Sonnenspitz und der Hirzer. Rutter hat noch einen Tipp ganz im Westen Tirols parat: „Die Jamtalhütte und die Heidelberger Hütte haben beide im Winter offen und sind super für hochalpine Touren. Von dort kann man auf den Piz Buin gehen oder Ähnliches.“Eine von Christof Simons Lieblingshütten ist die Winnebachseehütte im Ötztal: „Von diesem gemütlichen Stützpunkt aus lassen sich sieben 3.000er besteigen, wie zum Beispiel der Breite Grieskogel oder der Hohe Seblasskogel, alles Touren der Extraklasse.

„Es braucht Mut, eine Tour abzubrechen“
Glück hatte Christof Simon am Gleirscher Fernerkogel: „Den 40 Grad steilen Gipfelhang mussten wir zu Fuß hinauf stapfen. Gerade als wir aus der Rinne ausgestiegen waren, machten sich die ersten Tourengeher an die Abfahrt. Sekunden später ging der ganze Hang ab. Zum Glück wurde niemand verletzt. Das passierte alles bei Lawinenwarnstufe Eins. Skitourengehen ist also immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Man kann nur versuchen, es so weit wie möglich zu reduzieren.“ Bergführer Mike Rutter war selbst zum Glück noch nie in einer Lawine. Er kritisiert leichtsinnige Tourengeher: „Viele Leute gehen Skitouren wegen der Tiefschneeabfahrt. Die Spur ist da, manche Leute fahren die Spur rechts daneben, dann noch weiter rechts und auf einmal kommen sie in Hangneigungen hinein, wo sie vielleicht bei der aktuellen Lawinensituation nichts verloren haben.
Christof Simon ergänzt: „Es braucht auch den Mut, eine Tour abzubrechen, wenn die Verhältnisse einen sicheren Aufstieg nicht zulassen. Der Berg läuft einem ja nicht davon. An einem anderen Tag lässt sich die Tour dann sicher beenden.


„Genauso wie ich nicht unvorbereitet auf Hochsee segeln gehen kann, ist das auch beim Skitourengehen abseits der Pisten“, sagt Bergführer Mike Rutter. „Das muss von der Pike auf gelernt werden.“ Für Rutter ist es wichtig, dass „sich die Leute selber informieren und nicht blind hinter jemandem nachlaufen oder nachfahren.“ Simon ist derselben Meinung: „Ein Skitourengeher sollte - wie jeder andere Bergsportler auch - ein gewisses Gespür für Gefahren entwickeln. Dieses Gespür kommt erst im Laufe der Zeit, wenn man sich oft in den Bergen aufhält. Für Einsteiger ist es gut, wenn sie schwierige Touren mit einem Bergführer machen oder mit erfahrenen Tourengehern mitgehen.“ Sobald man ins freie Gelände geht, sind zumindest LVS-Gerät, Schaufel und Lawinensonde Pflicht. „Nur mit allen drei Gegenständen kann man im Falle einer Lawine schnell helfen“, erklärt Christof Simon. Zusätzlich sollte man ein Mobiltelefon dabei haben, um schnell Hilfe holen zu können. „Inzwischen gehört auch der Airbag-Rucksack fast schon zur Grundausrüstung dazu. Es muss auch der richtige Umgang damit erlernt und geübt werden“, sagt er, „Skitouren-Einsteiger sollten unbedingt einen LVS-Kurs besuchen. In Tirol ist das Kursangebot sehr gut, manchmal sind die Kurse sogar kostenlos.

Tipps für sichere Skitouren

  • Bei der Alpinen Auskunft können sich Skitourengeher telefonisch und online über die aktuellen Tourenbedingungen informieren. www.alpine-auskunft.at , +43.512.587828
  • Das Portal tourenwelt.at bietet Beschreibungen, Karten, Fotos und GPS-Tracks von Skitouren in Tirol und anderen Regionen. www.tourenwelt.at
  • Tiroler Bergsportführer begleiten Skitourengeher sicher auf ihrem Weg zum Gipfel. www.bergfuehrer.at/tirol
  • Der Tiroler Lawinenwarndienst ist im Winter die zentrale Informationsquelle zur Lawinensituation in Tirol. lawine.tirol.gv.at , +43.800.800-503
  • SAAC bietet kostenlose Lawinenschulungen. www.saac.at
  • Die Notfall App der Tiroler Bergrettung ermöglicht zusätzlich zum Alpinnotruf 140 rasche Hilfe bei Alpinunfällen. www.tirol.at/notfall-app

Information: Tirol Werbung

Foto: Tirol Werbung / Josef Mallaun


Kategorie: Allgemein