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Bock auf Tirol

Frühjahrsputz nach Winterschäden

Montag, den 24. April 2017

Der vergangene Winter hat seine Spuren auf den Wegen hinterlassen: So füllen Lawinenkegel die Gräben, Wegpassagen werden von Schuttablagerungen blockiert, viele Markierungen sind verblichen und viele Schneerutsche haben Seile aus ihrer Verankerung gerissen. Ein Lob auf die vielen ehrenamtlichen Wegewarte des Alpenvereins, denn auf diese wartet nun die härteste Aufgabe des Jahres: Die Aufräumarbeiten, um die Wege rechtzeitig zum Start der Wandersaison wieder begehbar zu machen.

„Unsere Wegewarte stehen jedes Frühjahr unter Zeitdruck: Erst nach der Schneeschmelze ist eine erste Begutachtung der Wege möglich, und erst dann ist abschätzbar, welche Aufräumarbeiten und Wegsanierungen nach der Winterpause notwendig sind. Somit heißt es schnell sein, denn die ersten Wanderer sind bereits unterwegs. Keine leichte Aufgabe für unsere Ehrenamtlichen. Es ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, was diese Leute in ihrer Freizeit leisten“, betont Peter Kapelari, Leiter der Abteilung für Hütten, Wege und Kartografie im Alpenverein.

Es wird geschaufelt, gestemmt, bemalt und abgesichert – und das alles, um das 26.000 Kilometer lange Wegenetz in Österreich bestmöglich zu pflegen und zugänglich zu machen. „Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für die 196 Alpenvereinssektionen und ihre Wegewarte – was aber nicht heißt, dass von den Wanderern nicht nach wie vor Eigenverantwortung gefordert ist“, betont Peter Kapelari. „Eigenverantwortung und ein gesundes Maß an Hausverstand ist am Berg immer erforderlich. Nach österreichischem Recht haftet der Wegehalter nur bei grober Fahrlässigkeit (oder gar Vorsatz). 100-prozentige Sicherheit und zu jeder Zeit makellose Wege können wir einfach nicht garantieren, das ließe sich im Gebirge nie bewerkstelligen.“

Folgende Arbeiten erledigen die Wegewarte im Zuge ihrer Begehung:
So werden die zahlreichen Markierungen überprüft, Querrinnen werden gereinigt,Wege werden von Steinen und Ästen befreit, Geländern werden auf deren Festigkeit überprüft, Brücken und Stufen, Kontrolle der Sicherungsseile und Abzäunungen, Auf- und Abbau von beschädigten Schildern. Bei größeren Schäden, die nicht sofort behoben werden können, werden die Wegehalter informiert, Warnschilder angebracht und Wege möglicherweise sogar ganz gesperrt.

Ein massiver Hangrutsch hat im Vorjahr den Weg zur Muttekopfhütte in den Lechtaler Alpen verschüttet, die Erd- und Gesteinsmassen müssen nun – zum größten Teil händisch – abgegraben und beseitigt werden. Auch am Riezler Steig am Thaneller (Lechtaler Alpen) müssen weitere Arbeiten zur Behebung von Steinschlagschäden durchgeführt werden. Ebenfalls gesperrt wegen aktuell massiver Blocksturzgefahr ist aktuell noch der Zustieg zur Bettelwurfhütte im Halltal (Karwendel). Hier muss vor der Hüttenöffnung erst eine Felsräumung erfolgen.

Interessant ist wie die Zeitangaben auf den Wegschildern zustande kommen:

So legt ein Wanderer laut Norm in einer Stunde zurück:
300 Höhenmeter im Aufstieg
500 Höhenmeter im Abstieg
4 Kilometer Horizontalentfernung

Die tatsächliche Gehzeit einer Strecke lässt sich errechnen, indem von den für Horizontal- und Vertikalentfernung errechneten Zeiten der kleinere Wert halbiert und zum größeren addiert wird.

Foto: N.Freudenthaler, ÖAV

Kategorie: Wandern