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Kräuter, Blut und Kruzifix in der Silberregion Karwendel

Mittwoch, den 08. Juli 2015

„Nimm alle Morgen frühe von deinem eignen Koth /
so vil als ein Haselnuß groß nüchter ein /
so wirst selbigen Tag vor der Pest versicheret seyn“. Natürlich widmet sich die Sonderausstellung im Museum Rablhaus am Weerberg im heurigen Jahr nicht ausschließlich den „körpereigenen Säften“, aber auch dieser – für das 21. Jahrhundert schon befremdlich anmutende Teil der Volksmedizin darf dabei nicht fehlen. Auf verständliche, auch unterhaltsame und zum Teil berührende Weise präsentiert das Rablhaus altes Heilwissen, das religiös-magische Verständnis unserer Vorfahren und natürlich auch viel Kurioses zur alten Volksmedizin.

Zahlreiche gängige Lebensmittel verfügen zudem über Heilkräfte, wie die Exponate in der Rauchküche des Museum bezeugen, intime Einblicke in volksmedizinische Praktiken rund um Empfängnis, Potenz und Geburtenkontrolle gewährt die Schlafkammer. Der hauseigene Garten liefert die Zutaten zur Kräuterapotheke, auch die Drogen- und Giftpflanzen finden dort ihren Platz. Und dass Regenwurmöl, Menschenblut und Schneckenschleim der Vergangenheit angehören, ist eine Fehlmeinung, wenn auch diese Bestandteile der „Drecksapotheke“ heute in veränderter Form ihre Verwendung finden.

Der Glaube versetzt bekanntlich Berge und kaum ein Bereich des menschlichen Daseins ist so eng mit den Begriffen Hoffnung und Glaube verbunden, wie Krankheit und Siechtum. Die Heiligenapotheke war über die Jahrhunderte fester Bestandteil des Leidens und Heilens, welcher Heilige bei den jeweiligen Beschwerden angerufen wurde, ist auch in der Gegenwart vielerorts noch präsent. Dass auch Behandlungsformen wie der Aderlass, das Schröpfen oder die Anwendung des Klistiers absolut gängige schulmedizinische Maßnahmen darstellen, mag dabei schon weniger verwundern.

Ganz besondere Exponate dieser Sonderausstellung stellen die zwei Hefte aus Landsberg am Lech (Bayern) dar. Diese Leihgaben aus dem 19. bzw. 20. Jahrhundert beinhalten Rezepte, Heilsprüche und Behandlungsformen eines Heilers und einer Heilerin aus der Landsberger Region. Sie bilden die perfekte Ergänzung zur "Heylsamen Hauß-Apotecken", dem Medizinbuch aus dem Jahr 1714 aus der Museumssammlung. Darin finden sich auch skurrile Anweisungen, wie dem eingangs erwähnten "Mittel wider die Pest".

Foto: ©Silberregion Karwendel | Das uralte Rablhaus

Kategorie: Verschiedenes