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Unmut über moderne Berghütte am Mont Blanc

Montag, den 01. Februar 2016

eit Ende Juni ersetzt die futuristische Hütte "Refuge du Goûter" am Aufstieg zum Mont Blanc die heruntergekommene alte Unterkunft, für die sich Bergführer schämten. Dennoch ist die Freude über den Neubau bereits getrübt.

Ultramodern, komfortabel und gleichzeitig ökologisch konzipiert: Seit Ende Juni lädt eine neue Wanderhütte am Aufstieg zum legendären Mont Blanc in den französischen Alpen zum Verweilen ein. Doch der futuristische Bau in Ei-Form mit seiner Inox-Fassade, der in 3835 Meter Höhe auf dem verschneiten Bergkamm Aiguille du Goûter thront, sorgt bereits für Kontroversen.

Dem einen ist die Herberge zu luxuriös und zu teuer, der andere klagt über die neuen Reservierungsvorschriften. Eines ist sicher: Der Kontrast zu der rund 300 Meter entfernten alten Wanderhütte aus den 60er Jahren könnte nicht größer sein.

Die neue Unterkunft "ändert unser Leben", freut sich Wanderführer Michel Payraud, der einen Kunden auf den mit 4810 Metern höchsten Gipfel Europas begleitet. Die alte Hütte sei ein regelrechter "Schandfleck" gewesen. Er habe sich geschämt, dort mit Bergwanderern abzusteigen.

Mit seiner hellen Holzvertäfelung, dem riesigen Speisesaal und den gemütlichen Schlafsälen mit insgesamt 120 Betten gleicht das nagelneue "Refuge du Goûter" einer Luxus-Jugendherberge. Außerdem soll es dank seiner eierförmigen Konstruktion selbst den heftigsten Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern standhalten können.

Modernste Technologie gewährleistet zudem eine möglichst geringe Umweltbelastung: Für die Wasserversorgung wird Schnee geschmolzen, das Abwassersystem gleicht dem von U-Booten, Solaranlagen und Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen Strom und Wärme. Doch diese technische Errungenschaften und die damit einhergehenden Preise - 60 Euro für die Übernachtung mit Halbpension - sind nicht nach jedermanns Geschmack.

"Das ist eher ein Hotel als eine Berghütte", murrt ein Gast. "Ein bisschen elitär", meint auch der 30 Jahre alte Sébastien Letout. "Wer hier übernachten will, braucht etwas Geld." Vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Architektur sei die Herberge mittlerweile zum Ziel auch für Leute geworden, die gar nicht auf den Mont Blanc steigen wollen, berichten einige Bergführer.

Die Hütte könnte sogar Ziel von Gruppen werden, die fröhlich einen Junggesellenabschied feiern wollen. Dies könnte den Mont Blanc, der schon heute jedes Jahr Ziel von tausenden Bergsteigern ist, noch zusätzlich belasten. Dem sollen einige Vorschriften entgegenwirken.

Foto: AFP

Kategorie: Hütte